walters blog
9Jun/18

Kurztrip nach Emden

Autor: Walter Güldenberg

Zu Pfingsten nach Emden

Anfänglich wollen wir nach Speyer fahren, aber es war nicht möglich brauchbare (barrierefreie) Unterkünfte zu finden. Also fiel die Wahl auf Emden.

Als LOT Patient braucht es ein wenig mehr Vorbereitung. Ich nutze normal flüssigen Sauerstoff, für mich die ideale Lösung im heimischen Umfeld, aber für Reisen nicht ganz so tauglich da die mobilen Einheiten für derartige Reisen unbrauchbar sind. Also musste ein s.g. portabler Sauerstoffkonzentrator her. Kein Akt, mein Sauerstoff Lieferant (Vivisol) vermietet diese Geräte für rund 160,-- € für eine Woche. Das Sanitätshaus Jansen vermietet min Emden manuelle Rollstühle für 5,-- € pro Tag. Vielleicht kommt jetzt die Frage auf: Was willst mit einem manuellen Rolli wenn du doch einen e-Rolli hast? Ganz einfach ein manueller Rolli (mit Schieber) kann mich an Orte bringen wo der e-Rolli nicht hin kann oder darf.

Die Buchungen

Dieses Mal hat meine Begleitung die Unterkunft, in diesen Fall das Hotel Faldernpoort, gebucht. Ich habe die Buchung der Bahnfahrten und des Mobilitätsservice am HBF Aachen erledigt.

Anreise

Für mich ging es mit dem Regional-Express erst einmal von HBF Aachen zum HBF Köln. Natürlich stand pünktlich meine Einstieghilfe zur Verfügung. Der RE verfügte über eine gut funktionierende Rampe, also lief alles ohne weitere Umstände.

An Gleis 3 erwartet mich meine Begleitung und auch die freundliche Umstieghilfe. Zeit war genug, denn der IC nach Emden fuhr vom gleichen Gleis, der Lift zum Verladen sind bereits also alles im grünen Bereich.

Wenige Minuten vor der Abfahrt ... der Zug fährt heute von Gleis 5 ... allgemeines Erstaunen, selbst der Umstiegshelfer war nicht informiert und nicht darüber erfreut. Also Tempo machen und nach Gleis 5 gelangen. Ich hasse Hektik, sie bekommt mir nicht gut. An Gleis 5 stand der Lift und ein Helfer der brüllte: Tempo, Tempo wir müssen los.

In aller Eile mit dem Lift in den Zug. Schon fuhr er los. OK, wenn der Zug aus dem Bahnhof ist fahre ich den Rollstuhl in die Parkposition, so war der Plan denn die Ausfahrten gehen meist über weichen und sind recht wackelig. Meine Begleitung ging schon einmal in den Wagen. Sie kommt zurück ... die haben uns in Wagen 9 geladen, wir sind aber auf Wagen 8 gebucht und hier im 9er ist der Rollstuhlplatz schon belegt, ich geh mal zu Wagen 8. Sie kommt zurück: der Wagen 8 hat keinen Rollstuhlplatz, was ist denn hier los, ich suche den Schaffner, du kannst ja nicht die ganze Zeit im Durchgang stehen.

Der erste Schaffner den sie traf war für diesen Wagen nicht zuständig, also in die andere Richtung. Zwischenzeitlich bin ich in den Wagen 9 gefahren. Dort gab es einen Rollstuhlplatz, leider bereits durch einen Jungen im Rollstuhl, nebst Mutter, Schwester und Bruder. Tja zwei Rollstühle passen dort nicht rein, so stand ich mehr oder minder im Gang und Durchgang war kaum möglich.

Nach einer Weile kamen meine Begleitung und die zuständige Schaffnerin. Es wurde nach einer Lösung gesucht und auch eine gefunden. Die Lösung war: die Familie mit dem 'Rolli-Jungen' bekamen ein Abteil in nächsten Wagen. So konnte die entspannte Fahrt nach Emden beginnen.

In Emden

In Emden angelangt stand schon eine freundliche Ausstiegshilfe nebst Lift zur Verfügung. Vom Bahnsteig ging es zum benachbarten Bushof. Erst mal gesucht wann fährt denn welcher Bus in die Richtung des Hotels. Am Rande bemerkt, in Emden ist - zumindest am Wochenende - der Fahrplan der Busse sehr dünn. Die Verbindung gefunden, jetzt nur noch auf den Bus warten. Und da kam er dann, ein alter MAN der schon bessere Zeiten gesehen hatte ... Die Rampe konnte nur vom Bus-Personal geklappt werden den Bus absenken ... Fehlanzeige. Der Stellplatz für Rollstuhl, extrem klein. Die Busfahrerin: Wir nehmen eigentlich keine E-Rollstühle mit, denn wenn jetzt noch ein Fahrrad oder Kinderwagen kommt kann ich die nicht mitnehmen - ach deshalb hatte der Umstiegshelfer gesagt, als wir von Bus sprachen: "Dann viel Glück". Nächste Überraschung: In Emden ist das City-Ticket der DB nicht gültig. Letztlich durften wir im Bus bleiben und gelangten zum Hotel.

Das Hotel eine positive Überraschung, ruhig gelegen, hübsch eingerichtet, freundliches Personal. Wegen des E-Rolli hatte man mir, ohne Aufpreis, ein größeres Zimmer überlassen. Dort stand auch der vor Ort (beim Sanitätshaus Janssen für 5,-- pro Tag) gemietete manuelle Rollstuhl bereit. Zimmer bezogen, frisch gemacht und dann ging es mit dem manuellen Rollstuhl Richtung Stadt. Bei der Busfahrt hatten wir festgestellt, die Entfernung zwischen Stadtkern und Hotel ist fussläufig. Eine Runde um den Hafen, dann in die Stadt. Und wenn man schon mal in Emden - der Deutschen Hauptstadt der Matjes - ist, dann ist Matjes-Essen Pflicht. War nur die Frage: Wo gibt es Matjes? Bisher hatten wir nur Pizza, Pasta, Gyros, etc. Anbieter gefunden. Also rein in einen Supermarkt und dort bei der Bäckerei nachgefragt. Die Mädels hinter dem Tresen wussten: dort, um drei Ecken, hat ein Fischlokal neu eröffnet. Also hin. Das Restaurant selbst war recht klein und bis auf den letzten Stuhl besetzt. Zu unserem Glück stand Sitzplätze vor dem Restaurant zur Verfügung. Das Wetter war gut also sprach nichts dagegen dort Platz zu nehmen. Ich schwanke zwischen Labskaus und Matjes. Die Entscheidung wurde mir vom Kellner abgenommen, denn der Labskaus hatte noch nicht lange genug gezogen. Also gab es drei verschiedene Matjes mit Bratkartoffel und Salat. Der Sherry-Matjes war der Knaller! Dann ging es zum Hotel zurück und ... Gute Nacht.

Guten Morgen und runter zum Frühstück. Schönes Buffet guter Kaffee, alles gut. Danach wieder auf in die Stadt und hin zur Hafenrundfahrt. Natürlich gab es keine Möglichkeit aufs Schiff zu rollen, also langsam die Leiter runter. Der Unterhalter war gut drauf und es gab Informationen zu Hauf. Danach zur Kunsthalle und an den Kanälen entlang. Die Zeit verflog nur so. Wieder zurück zum Hotel, frisch machen und so. Dann zum Abendessen. Früher gab es an fast jeder Straßenecke eine Balkanstube mit Lustigem Bosniak, Julischka und Slibowitz. Und siehe da, ums Eck gab es auch eine Balkanstube, also hin. Und so ging der Sonntag vorbei.

Montag wieder gutes Frühstück. Meine Begleitung wollte das Meer sehen ... also müssen wir zum Deich. Erstmal zum Bushof ... am Wochenende wird diese Strecke nicht bedient, gehen wir zur Bahn ... die fährt nur wenige Male an Sonn- und Feiertagen. Gut nehmen wir ein Taxi. Gesagt getan auf zum Fährhaus. Vor Ort erst einmal zur Bahn um die Rückfahrt festzulegen. Wir trafen einen Mitarbeiter der Bahn und haben nachgefragt. Der Bahn-Mann meinte, wird ein Problem, unser Wagen haben keine Rampen, wir setzten hier ältere Wagen mit drei Stufen, etc. ein, die sind nicht wirklich barrierefrei. Na gut, klären wir die Rückfahrt später. Ein ortskundiger Mensch hat uns den Weg zum Deich gezeigt, meinte aber, dort sind zur Zeit Straßenbauarbeiten, da müssen die über Paletten und durch Schotter. Meine Begleitung bestand auf die Besichtigung der See, also los. Ja, es war schweres Geläuf und meine Begleitung hat einige Kalorien verbracht, da Rollstuhl und Schotter keine Freunde sind. Irgendwann war der Schotter überwunden und es ging über die Paletten hoch zum Deich. Die jetzige Straße war in gutem Zustand und fast ungenutzt. Und schon standen wir am Ende und die Nordsee lag vor uns. Nach einer Rast, auf zum Rückweg. Da waren doch Häuser, da müsste man ran kommen, von dort gibt es sicher einen besseren, schotterfreien, Weg zurück zum Fährhaus. Wir sprachen ein jüngeres Paar an und die haben uns den Weg gezeigt. Erst einmal ging es mächtig steil bergan, meine Begleitung musste sich mächtig ins Zeug legen. Dann auf der anderen Seite ging es entsprechend bergab, der Miet-Rolli hatte keine Bremsen für den Schieber und meine Begleitung war mit sehr leichten Sandaletten bekleidet. Zum Glück war das Paar noch nicht ausser Sicht und beide haben tatkräftig geholfen den Rolli und mich den Deich hinab zu bekommen. Die Strasse war gut und flach, das Wetter schön. Aber nach ein - zwei Kurven standen wir vor anderen Seite der Schotterpiste. Also knechten für die Begleitung. Danach haben wir uns im 'Fährhaus' mit einem Getränk belohnt und bei der Gelegenheit haben wir die Akkus des Sauerstoff-Konzentrators geladen. Wie kommen wir nun zurück? Was soll es nehmen wir ein Taxi. Und plötzlich ging mir, der Himmel weiss warum, extrem schlecht, extreme Atemnot, etc. Also ging die Fahrt statt ins Hotel direkt zum Klinikum Emden.

Dort die üblichen Dinge, EKG, Blut, etc. Mir war klar, hier ist mindestens eine Übernachtung angesagt. In der Notaufnahme war recht wenig los, ich denke ich war der einzige Kunde. Also dann auf Station und noch ein - zwei EKG geschrieben. Immer in Hinterkopf halten Dienstag, also morgen sollte es zurück ins Rheinland gehen. Die Nacht war ganz OK, das Personal sehr nett und hilfsbereit. Dienstag, nach dem Frühstück noch ein EKG und eine Runde Chefarzt, ja gegen Mittag können sie die Klinik verlassen. Im Vormittag kam meine Begleitung mit dem E-Rolli und dem Gepäck in die Klinik. Alles packen und raus aus der Klinik.

Rückreise

Ein Großraum-Taxi bestellt, die Taxen verfügen über Rampen, also kein Problem mit dem E-Rolli. Derartige Taxen sind in Emden häufig zu sehen (wohl weil der ÖPNV dort sehr zu wünschen übrig lässt). Der Preis dieser Taxen ist eine Pauschale von € 20,-- für Stadtfahren), ich halte den Preis für angemessen. Him zum Bahnhof, klar wir waren zu früh dort. Der Hauptbahnhof ist sehr überschaubar 😉 In der Touristeninformation durfte ich die Akkus des Sauerstoffkonzentrators laden. Und irgendwann kam der Mitarbeiter des Mobilitätsservice der DB, wie immer ein netter, hilfsbereiter Mensch. So ging es Richtung Bahnsteig. Wir kamen ins Gespräch in deren Verlauf der Herr seine Befürchtungen ausdrücke das die DB den Service einstellen oder extrem einschränken würde, da eben dieser Service nur Geld kostet und keinen Profit macht, er fragte sich auch weshalb die Bahn diesen Service nicht breiter, zum Beispiel in einem Werbespot darstellt. Der Hublift stand bereit, wieder ein sehr altes Teil. Der Mitarbeiter meinte, nun es gibt nur zwei Hersteller in Deutschland für diese Geräte. Die Bahn gibt nur wenig Geld für die Wartung und Reparatur der Lifte aus und hier am Bahnsteig sind die Geräte Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Wir begeben uns mit dem Lift an die Position den unserer reservierter Wagen einnehmen sollte. OK, der Zug hat Verspätung. Dann läuft er ein, aber 'unser' Wagen ist nicht da. Was jetzt? Der Zugchef kommt zu uns und meint ganz nach hinten bitte da ist ein passender Wagen. Also Gummi geben und Richtung letzter Wagen. Der Zugchef: machen Sie langsam, immer mit der Ruhe, egal wenn wir jetzt noch 10 Minuten Verspätung machen, Sicherheit geht immer vor. Also Lift an den Wagen, Rolli auf den Lift und hoch. Mist, der Wagen hat 2 Rolli-Plätze, aber beide zu gestapelt mit Gepäck. Der Zugchef kam und hat darum gebeten die Gepäckstücke zu entfernen da der Platz ausschließlich für Rollis vorgesehen ist. Nach einigen Minuten war Platz und ich konnte einparken. Klasse der Platz hatte Stromversorgung also kann der Konzentrator laden.

In Köln HBF stand wieder ein Helfer bereit und wir fuhren hinüber zum Regional-Express, Rampe OK, alles gut.

 

 

 

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