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6Mrz/19

KVB Köln kann schmerzhaft sein

Autor: Walter Güldenberg

Die Kölner Überland U-Bahn ...

Es scheint als wäre die KVB Köln endlich in den 80er - 90er des letzten Jahrhunderts angekommen. Nach diesem Zeitsprung wird die Position gehalten. Betrachtet man nur das Material das zum Beispiel auf den Linien 16 und 18 eingesetzt wird. Welchen 'modernen' Komfort bieten z.B. diese beiden Linien?

  • Stellplätze für Kinderwagen, gibt es nicht.
  • Stellplätze für Rollstühle, gibt es nicht.
  • Hilfe für die o.g. Personen bei Ein- und Ausstieg, gibt es nicht.

Ja, es gibt alternative Streckenführungen mit Umstiegen, etc.

Aber was hilft es, wenn die als barrierefrei bezeichneten Haltestelle dann doch nicht barrierefrei sind, weil die eingesetzten Fahrzeuge eine Barrierefreiheit nicht zulassen?

Sagen wir: "Es ist Köln ... die Stadt in der Korruption, Betrug & Co. charmant als 'liebenswerter Klüngel' gepflegt werden".

Eine Alternative z.B. der Bus (Busse bieten Rollstuhlfahrern i.d.R. mehr Komfort und Sicherheit als das die Kölner U-Bahn) der KVB Köln zwischen Hauptbahnhof und Barbarossaplatz?

Klasse es gibt eine Linie. Die Fahren werden von einen Subunternehmer, was kein Fehler sein muß, durchgeführt. Die Fahrer, jedenfalls die ich bisher kennengelernt haben, rekrutieren sich aus dem Großraum Russland, ist vollkommen OK für mich. Schön wäre jedoch würden die Fahrer ein wenig mehr Deutsch sprechen und verstehen. Kleine Probleme wie: "tut mir leid kein Wechselgeld" kehren wir einfach mal unter den Tisch.

Beschickt wird diese Linien mit (ur-)alten MAN Bussen. Bisher ist keinem Fahrer gelungen die alten Busse zum Absenken zu bewegen, so daß die Rampen weniger steil sind. Die Rampen rostig, die Sitzbänke stehen auf angerosteten Unterbauten, die Fahrzeuge sind herunter gekommen und abgetakelt. Die Ein- und Ausfahrt bei diese Busse ist, wegen der zum Teil extrem steilen Rampe ein Abenteuer, wer keine größere Portion Mut und Erfahrung mitbringt sollte besser die Finger davon lassen.

KVB Köln kann weh tun ...

Sonntag, vor 14 Tagen, einen Ausflug mit der Linie 4 nach Köln Dünnwald zum Wildpark geplant. Da der Barbarossaplatz nicht gerade durch Barrierefreiheit glänzt sind wir zu Haltestelle Poststraße gerollt, da wir dort, ohne Umstiege, in die Linie 4 steigen konnten. Glück gehabt, der Personenaufzug an der Poststraße funktionierte, also runter in den Keller.

Ran an die Bahn ... hm, kein Kopf um den Fahrer zu signalisieren: wir möchten mit Rollstuhl rein, mach bitte die Lücke zwischen Wagen und Bahnsteig dicht. Die Lücke zwischen Bahnsteig und Triebwagen ist groß genug um die Lenkräder der Rollstuhls zu verschlucken. Gut am Triebwagen schien es eine angedeutete Rampe zu geben, aber wie dieses Teil bedienen? Also hat meine 'Schieberin' den Rollstuhl gekippt ... und dann prompt die Lenkräder im Spalt versenkt. Erst einmal: Panik, hoffentlich hat der Fahrer es gesehen und fährt jetzt nicht los. Ich selbst bin aufgrund der COPD Erkrankung keine wirkliche Hilfe, bin gerade in der Lage mich auf den Beinen zu halten. Zum Glück hatte ein junger Mann im Wagen das Problem gesehen und kam mit schnellen Schritten heran um dabei zu helfen den Rollstuhl zu befreien.

Die Linie 4 wird mit 'modernen' Wagen (Niederflur) gefahren, es gibt Stellplätze für Kinderwagen und Rollstühle. Es gab bei der Hinfahrt sogar einen extra Haltewunsch-Knopf für Rollstuhl - und Kinderwagennutzer. Ich dachte drücke den Knopf, dann schließt beim Ausstieg eine Rampe die Lücke zwischen Fahrzeug und Bahnsteig. Falsch gedacht der Knopf hatte keinerlei Wirkung. Vermutlich war der Knopf war defekt, aus den Bussen kenne ich es so, ein Druck auf den Knopf, die Symbole im Knopf wechseln die Farbe. Bei diesen Knopf kurze rote Anzeige dann keine Anzeige mehr.

Solche Dinge kann man vielerorts erheblich besser und nein diese Orte sind keine Städte mit Anspruch eine Weltstadt zu sein, etc.

Nach netten Stunden im Wildpark ging es zurück. Klar wieder KVB Linie 4.

Es gab einen Stellplatz für meinen Rollstuhl und mich, diesmal jedoch ohne Haltewunschknopf. Nicht ganz ohne Sinn sind diese Stellplätze so gebaut das der Rollstuhlfahrer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzt und eine fest verbaute Haltevorrichtung im Rücken hat.

Wieso? Ganz einfach die Haltevorrichtung verhindert das so das Fahrzeug gebremst wird der Rollstuhl wegen der auftretenden Fliehkräfte unkontrolliert über den Boden geschoben wird. In der Mehrzahl der Busse kann der Rollstuhl zusätzlich durch einen Automatikgurt gesichert werden.

Gut den gesonderten Stellplatz hatte diese Linie 4. Kleiner Schönheitsfehler, dieser Stellplatz war falsch herum - oder der Triebwagen fuhr in die falsche Richtung. Ich hatte zwar die Haltevorrichtung im Rücken aber saß in Fahrtrichtung ohne jeden Halt als gebremst wurde. Es kam wie kommen musste, Triebwagen wird stärker gebremst und ab geht es, der Rollstuhl folgt den Fliehkräften, rutsch in Richtung Fahrzeugspitze und dann kräftig mit dem Schienbein gegen die Plastiksitzfläche des Einzelsitz und mein Rollstuhl stand wieder still. Kurz habe ich die 'Sterne' gesehen. Geblieben ist zur Zeit eine fast 50 Cent große, blutige Abschürfungen. Vielen Dank KVB!

Der tollste Rollstuhlplatz ist nichts wert, wenn er unsachgemäß eingesetzt wird.

Wann wird die KVB in Big Data & Co. ankommen?

Im Jahr 2019 sind tolle Sachen machbar, gut die KVB, wie schon oben dargetan befindet sich in gefühlt in den 80er / 90er da ist natürlich noch alles sowas von Neuland ... 😉

Wie wäre es bei der Suche einer Verbindung eine neue Option: 'Barriefreiheit' aufzunehmen. Die erforderlichen Daten sollten schon lange zur Verfügung stehen, das Einpflegen der Daten kann keine große Sache sein da das Netz in Köln keine unendlichen Weiten darstellt.

Vielleicht ist eine solche Option auf keinen Fall gewünscht, denn möglicherweise stellt sich dann heraus wie gering der Anteil echter barrierefreier Verbindungen ist ...

Eigentlich sollten alle Stationen barrierefrei sein ... aber Köln, der Klüngel ... Es wäre schön wenn die EU der Stadt Köln, bzw. der KVB mächtig und schmerzhaft auf die Finger klopft. Denn gefühlt passiert nichts in Sachen Barrierefreiheit.

Liegt es an der berühmten Kölner Trägheit? Ich sage nur: "Et is wie et is" ...

Oder sind die Entscheider schlicht und einfach überfordert? Die bekannt gewordenen Pannen bei bisherigen U-Bahnbau könnten die Vermutung nahe legen ...

Hallo, wir sind in Deutschland, im Land der tollen Technologie und zusätzlich noch in der Weltstadt Köln... hm wieso können Spanien & Co barrierefrei so viel besser?

Sicher gäbe es eine neue Sicht wenn die Entscheider von KVB, Stadt etc. dazu verpflichtet würden 2, 3 Wochen mit einem Rollstuhl (ohne 'Promibonus') ausschließlich das KVB Netz zu nutzen. Über die wunderbaren nicht abgesenkten Bordsteine rollen und sich eine Massage auf dem meist maroden Kopfsteinpflaster gönnen würden.

Ich würde meinen Rollstuhl freiwillig für ein derartiges Experiment zur Verfügung stellen!

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